Ab aufs Land…

Am Samstag sind Mutti und ich aufs Land rausgefahren, wie schon erwähnt gestern. Jetzt gibts die versprochenen Details!
Mein geliebtes Sommerhaus war saukalt, der Garten ein einziger Misthaufen, alles dreckig und staubig. Furchtbar. Albtraum. Ich habe nicht mal meine Sachen ausgepackt, sondern gleich versucht, die Terrasse sauber zu bekommen. Das Unkraut wuchert zwischen den Platten raus und krallt sich mit seinen fiesen Wurzeln tief im Boden ein. Mir taten schnell die Finger weh. Danach habe ich versucht, mit diesen immensen Holzhaufen hinter dem Haus fertig zu werden, die da still und leise vor sich hingammeln. Zuerst haben ich das alte, trockene Holz umgeschichtet. Ich hatte im Winter das Problem, dass Mutti und Gümta eine hässliche alte Konifere gefällt haben und das frische Holz auf das alte draufgestapelt haben. Dadurch kam ich nicht mehr an das alte, trockene ran und hätte mir fast die Knochen gebrochen, als ich durch den meterhohen Schnee den Berg runtergeschlittert bin, um anderes Holz zu holen. Das war Klasse, einmalig. Da vergeht einem das Duschen. Dafür braucht man das Holz nämlich (zum Wasser war machen). Nicht für so was romantisches wie einen offenen Kamin, oh nein, für den Ofen im Bad. Klasse. Egal.

Ich habe also Holz umgeschichtet. Drei Tage lang.

Ein Maulwurf hat sich quer durch den Garten gegraben, vor der Sonnenterrasse erkennt man den Rasen vor lauter Erde nicht mehr. Und das ist außnahmsweise einmal nicht übertrieben. Im Rest des Gartens waren in unregelmäßigen Abständen weitere geschätzte dreißig Maulwurfhaufen verteilt. Zum Kotzen. Tschuldigung.

Ich hab angefangen, sie abzutragen und die Erde zusammenzurechen. Sieht trotzdem immer noch scheiße aus. Es wird wohl noch ein paar Wochen dauern, bis die Überreste der Meuchelei des Mistviehs verschwunden sind. Der Rasen vor der Terrasse jedenfalls ist fürs erste ruiniert.

Ein paar neue Freunde habe ich gefunden, wie schon gestern beschrieben. Nun, jetzt kann ich ein wenig ausführlicher über das Ganze berichten… Aaallllllssssoooooooo… ;)

Während ich das ganze alte, trockene Holz auf einen Stapel geschichtet habe, wies mich Mutti darauf hin, dass am Hang ein Eichhörnchen herumhopst. Es war dunkelbraun, ziemlich groß und ziemlich zutraulich, dachten wir. Wir dachten auch, dass es fröhlich in der Sonne herumtollte. Wie gesagt, dachten wir. Wir täuschten uns. Das Eichhörnchen versuchte nämlich, unbemerkt zum Fliederbusch zu gelangen, um von dort aus auf den Meisen-Nistkasten zu klettern. Wir beobachteten erstaunt, wie das Tierchen die bestimmt fünf Meter lange Eisenstange hinaufkletterte, und sich mit seinen Fußnägeln in die rostige Eisenstange krallte. War ein tolles Geräusch… Wie Fingernägel, die über eine rostige Platte gezogen werden.… Wah.

Na jedenfalls, irgendwann war das Tierchen oben angekommen. Wir überlegten, was es wohl auf dem Kasten wollte. Mutti und ich meinten, es würde die Vogeleier klauen und fressen wollen. Das machen Eichhörnchen nämlich. Gemein, oder?

Das wollte wir gerne verhindern. Das Eichhörnchen quetschte sich auf einmal durch den Eingang in den Kasten und ein lautes Fiepsen ertönte. Oh nein, du meine Güte!, dachten Mutti und ich und malten uns entsetzt das Gemetzel im inneren des Nistkasten aus. Wie das riesige Eichhörnchen die kleinen Vogelbabys abschlachtete und so. Mutti mit schockiert aufgerissenen Augen: „Die armen Vögelchen!“

Ich, Superhero-Caro, rennt zum Nistkasten und rüttelt an der Stange. Eichhörnchen quetscht sich panisch durch das Loch und flitzt die Stange runter, springt in den Fliederbusch und rast davon.

Dachten wir. Nach drei Metern Abstand zu mir war Schluss mit rasen. Es saß im nächsten Busch und starrte mich böse an. Ich ging auf es zu, ich wollte es ja vertreiben. Eichhörnchen beobachtet mich argwöhnisch und starrt mich weiter böse an. Es ließ mich ziemlich nah rankommen. Da hätte ich mich eigentlich schon wundern müssen. Irgendwann rennt das Viech weg, ich hinterher. Über den Zaun, raus aus dem Garten. Eichhörnchen, nicht ich.

Dann ich wieder ins Holz, weiter schichten. Mutti nach einiger Zeit: „Da, es kommt wieder!“ Es schlich sich langsam näher, traute sich aber nicht mehr in den Fliederbusch. Das Spiel wiederholte sich ein paar Mal, einmal verjagte mein Kater das Eichhörnchen.

Und dann irgendwann war es mutig genug, wieder auf der Stange hinauf zum Nistkasten zu klettern. Mutti und ich hatten in der Zwischenzeit schon Spekulationen angestellt, ob nich vielleicht das Eichhörnchen da drinnen wohnt und nicht die Vogelkinder. Denn es war weit und breit kein Vogel zu sehen, und kleine Vogelbabys müssen ständig und immer gefüttert werden, das war schon mehr als ungewöhnlich.

Wir dachten daher, dass wir erst einmal beobachten, was das Eichhörnchen im Nistkasten treibt und ließen es raufklettern.

Es ruckelte und fiepste im Nistkasten und auf einmal kam das Eichhörnchen wieder raus, mit etwas kleinem, schwarzem zwischen den Zähnen. Meine Mutter mit entsetztem Gesicht: „Siehst du, jetzt hat es sich ein Vogelkind geholt!“

Ich zum Fliederbusch und hinter dem Eichhörnchen her, was entsetzt davonsprang. Es kletterte auf den Kirschbaum und sah angriffslustig auf mich hinunter. Und da erkannte ich, was das arme Tierchen zwischen den Zähnen trug: Ein kleines Eichhörnchen! Ganz klein und schwarz, oh, das war sooo süß! Und ich Monster habe die Mama zu Tode erschreckt. So sehr, dass sie ihre Kinder eines nach dem anderen umzog, wahrscheinlich in den Wald, in ein anderes Nest, was es auf die schnelle gesucht hat, nachdem wir es so grausam erschreckt haben.

Ohgottohgottohgott.

Ich hatte so ein unglaublich schlechtes Gewissen. Das arme kleine Tier. Ich habe die Eichhörnchenmama so erschreckt, dass sie keine andere Möglichkeit sah, als ihre Kinder umzuziehen. Hoffentlich ist der neue Ort sicher und sie schaffen es. Es hat mir so Leid getan. Die Armen. Wenn sie jetzt sterben, bin ich Schuld.

Ich habe mir vorgenommen, diesen Sommer und Herbst ein paar gute Nistmöglichkeiten oder sichere Plätze, um einen Kobel zu bauen, einzurichten. Die armen Kleinen. Deswegen war sie so aggro und wollte nicht vom Nistkasten weg. Und kam immer wieder zurück. Nicht, um die Eier von einer Meise zu fressen, sondern um ihre Kinder zu beschützen. Ohgottohgottohgott.

Mit meiner Freundin der Blindschleiche war das anders. Die lag unter dem Stapel mit dem fast schon vollständig vermodertem Holz von vor drei Jahren. Holz mit Grünspan und aus den Seiten sprießenden Schimmelpilzen brennt übrigens nicht. Plöd.

Also, die Blindschleiche lag unter dem Holz und konnte sich nicht so richtig bewegen, weil es da drunter dunkel, feucht und kalt war. Ich habe sie rausgeholt, bevor sie vom herunterfallenden Holz zerquetscht oder aufgrund ihrer Langsamkeit vom meinem Kater gefressen wird. Sie war sehr hübsch. Dunkelbraun, mit schwarzen Augen. Unter dem Haufen Laub und Zweigen vom letzten Herbst hat sie ein neues Zuhause gefunden. Vorrübergehend, denn der wird demnächst auch noch weggeräumt.

Wie schon gesagt, der Garten ist ein einziger Misthaufen.

Hinter dem modrigen Holzstapel ist eine kleine Steinmauer aufgeschichtet. In einem Spalt zwischen fauligem Holz und Steinen saß eine fette graue eklige Kröte. Auch wechselwarm, daher auch sehr langsam und schwerfällig von Begriff. Ich wollte sie ja echt nicht stressen, aber gerne weiterarbeiten. Und nachdem sie sich, obwohl ich sie offensichtlich entdeckt hatte, nicht vom Fleck bewegte, habe ich sie (sanft!) auf ein paar der Steine bugsiert. Und da saß sie dann und hat doof gekuckt. Eine ganze Weile lang.

An die Stelle, wo der modrige Holzhaufen vor der Steinmauer gelegen hatte, plazierte ich einen alten Waschzuber für der Regenwasser.

Und plötzlich gab es ein dumpfes Plumpsen, und ich sah, dass die dumme Kröte in den Waschzuber gefallen ist. Und nicht mehr rauskam. Also packt die Caro das doofe Viech und setzt es zurück auf die Steine. Um ein Haar wäre sie wiede runtergefallen.

Also habe ich sie unter einen Laubhaufen gestopft.

Laut Darwin würde sowas ja sterben…

Zusammengefasst:

Ich habe also während alledem Holz umgeschichtet. Drei Tage lang.

Dazwischen gekocht, war einkaufen (endlich habe ich einen Aldi gefunden, in dem es die zu meinem Shampoo passende Spülung gibt, die kann ich nämlich in München nicht kaufen, wie blöd) und habe Rubinrot nochmal gelesen. Und Zeitung. Und meine Musiksammlung aufgeräumt. Geschlafen.

Und natürlich Barnaby gekuckt… :)

Es war schön, am Wochenede sonnig und sehr heiß, am Montag hat der Regen so schön friedlich auf das Dach getrommelt. Nebel hing über dem See, das Gras leuchtete unter den grauen Wolken strahlend grün.

Musik zum besseren Verständnis des Wochenendes: What Goes Up — ZweiOhrKüken.

Der Score zu ZweiOhrKüken ist übrigens allgemein der Hammer, wie ich finde. Ich habe ihn den Montag über exzessiv gehört…

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